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GÄSTEBUCH

Hegel- Aphorismen

Herok©2000-10

“Die Fragen, welche die Philosophie nicht beantwortet, sind so beantwortet,
daß sie nicht so gemacht werden sollen.” 
      >>>             (Hegel Aphorismen, Wastebook)

Hegels Aphorismen und Notizen  - Auszüge:

Ein geflickter Strumpf besser als ein zerrissener;
nicht so das Selbstbewußtsein.

Studieren heißt, das als wahr anzusehen zu bekommen, was andere gedacht haben.
Aber zuerst als mit einem Falschen gleich fertig sein,
kennt man die Dinge nicht.

Man fordert von der Philosophie, da die Religion verloren,
daß sie sich aufs Erbauen lege und den Pfarrer vertrete.

Die Scheidewand zwischen der Terminologie der Philosophie und des gewöhnlichen Bewußtseins ist noch zu durchbrechen; das Widerstreben, das Bekannte zu denken.
Es soll sein ruhiges Bewenden damit haben, es soll nicht Ernst mit der Philosophie gemacht werden; dies aber tut sie, wenn sie sich an das Gang und Gäbe wendet.

Es wird der Philosophie nicht so gut, einen Satz zu haben und sagen zu können:
das ist oder ist nichts.

Kant wird mit Bewunderung angeführt, daß er Philosophieren,
nicht Philosophie lehre; als ob jemand das Tischlern lehrte aber nicht, einen Tisch, Stuhl, Tür, Schrank usf. zu machen.

Naturphilosophische Ideen, d. h. phantastisch und unvernünftig.
Die Erregung durch die Philosophie nur eine Reizung,
die zu keiner Substantialität kommt.

Das Vollkommene ist freilich überall nur Eines, aber besonders in der Kunst das Große:
die Bildsäule nicht farbig machen zu wollen;
das Lyrische des Chors nicht mit dem Dramatischen der Personen zu vereinigen;

- so auch das Philosophieren nicht mit dem Poetisieren, - überhaupt zur notwendigen Trennung sich zu entschließen und sie streng zu erhalten.

Es wird einem angst und bange. Wenn sie von einem Dinge, einer Materie oder Stoff hören
- es soll lauter Idee sein.
- Wie jetzt niemand mit Homer den Ajax einem Esel vergleichen dürfte,
so ist Lernen ein Wort, das in guter Gesellschaft nicht mehr gehört wird.

Erst nach der Geschichte des Bewußtseins weiß man, was man an diesen Abstraktionen hat, durch den Begriff: Fichtes Verdienst.

Platon studierte bei vielen Philosophen, gab sich lange, saure Mühe, machte Reisen,
war wohl kein produktives Genie, auch kein dichterisches, sondern ein langsamer Kopf.
Gott gibt es dem Genie im Schlafe. Was er ihnen im Schlaf gibt, sind dafür auch nur Träume.

Orientalisch: Wasser: Vater des Lebens, Vater der Wolken; Honig: Vater des Sieges;
Zucker: V. der Heilung; Fleisch: V. des Überflusses; Wein: V. der leichten Verdauung; Brot: V.
der Gnaden, V. der Menschheit; Lager: V. der Begierden; Zither: V. des Spiels; guter Gesellschafter: V. der Vollkommenheit; Käse: V. des Reisenden - usw., oberflächliche Bezeichnung, die dadurch, daß sie so allgemeine Beschreibung ist, wieder nach ihrer Bedeutung, wie ein Zeichen, bekannt sein muß, nicht für sich selbst deutlich ist.

Rezensenten sind Totengräber. Aber wenn sie auch Lebendiges begraben, erhält sichs doch. Haben selbst zu lernen. Urteilen, charakterisieren heißt töten, das Individuum darstellen,
nicht die Sache, als ob jenes das Lebendige wäre, nicht das Wahre. Richter des heimlichen Gerichts, Freimaurer sind nicht weiter als das übrige Publikum, selbst zurück.
Wenn das Mysterium offenbar gemacht wird, haben sie nur mit Gemeintem zu tun.

Die Zeit scheint ungünstig für die Philosophie, weil es darum mit so vieler Mühe zu tun zu sein scheint, daß nur der Gedanke an das Übersinnliche zustande komme, der erste rohe Anfang;
aber er soll im Allerbekanntesten, z. B. Obst, aufgezeigt werden; nicht Sinn für die Religion überhaupt.

Im Cid heißt's:

Aber welcher Überwundne
Klaget über Unrecht nicht.

Die Philosophie regiert die Vorstellungen, und diese regieren die Welt.
Durch das Bewußtsein greift der Geist in die Herrschaft der Welt ein.
Dies ist sein unendliches Werkzeug, weiter hinaus Bajonette, Kanonen, Leiber.
Aber ihr Panier und die Seele ihres Feldherrn ist der Geist.
Nicht Bajonette, nicht das Geld, nicht einzelne Kniffe und Pfiffe sind das Herrschende.
Dies muß auch sein, wie die Uhr Räder hat, aber ihre Seele ist die Zeit und der die Materie ihrem Gesetz unterwerfende Geist.
Eine Iliade wird nicht zusammengewürfelt, so auch nicht ein großes Werk aus Bajonetten und Kanonen, sondern der Compositeur ist der Geist.

Einheit und Unterschied klingt arm und dürftig z. B. gegen die Pracht der Sonne, gegen Osten und Westen, daß jedes Ding seinen Osten und Westen in sich habe. Aber den Armen wird das Evangelium gepredigt, und sie werden Gott schauen.

Naturphilosophie. Es wird noch geraume Zeit vergehen, ehe es ganz ohne Flunkern darin abgeht. - Geständnis hiervon oder dreistes Behaupten und Beharren dagegen.
- Das Absolute: in der Nacht sind alle Kühe schwarz.
-Das absolute Erkennen der große Besen, der alles wegfegt, qui fait la maison nette.

Unterwalden: Hirtenleben. Kein Fortschreiten der Geistesbildung. Nahrung des Hanges zur Trägheit. Die Religionslehrer abhängig vom Volk, das sie wählt und ihren Unterhalt in seiner Macht hat. Diese Abhängigkeit macht sie intrigant.
Sie schmeicheln der ungebildeten Menge, drängen sich in die Familiengeheimnisse, unterhalten Parteien und erwerben sich eine ausgebreitete Herrschaft über die Gemüter bei Landgemeinden. Sie durften keinen Gebrauch von dieser Herrschaft machen, unwissenden und beschränkten Menschen etwas, das vom Gewohnten abweicht, zu empfehlen; keine nützlichen Schulanstalten, nur Rohheit, Verwilderung.
Es ist Interesse der Politik der reicheren Familien, um ihren Einfluß und Ämter zu erhalten,
jene Verwilderung zu lassen.
- Die Freiheit der ungebildeten Masse wird Armut, Schwermut.
Die Kirchen nicht von Betern, die Straßen nicht von Pilgern, die Gräber nicht von Knienden leer. Dabei aber Verschlimmerung der Sitten, Schadenfreude über Verlust der beneideten Reichen und Verleumdung, Treulosigkeit und Undankbarkeit. Üble Wirtschaft und Schlemmerei bei aller Armut; kleinlicher, bettelhafter Eigennutz.
Bei Mangel des Ackerbaues, bei Verfall der Waldungen, bei Fehlen des Kunstfleißes doch Zunahme des Luxus.

Cid:

Das Geheimnis ist der Weiber
Macht auf unsre Männerherzen.
Das Geheimnis steckt in ihnen
Tief verborgen, Gott dem Herrn,
Glaub' ich, selber unerforschlich.
Wenn an jenem großen Tage,
Der einst aufsucht alle Fehle,
Gott der Weiber Herzen sichtet,
Findet er entweder alle
Sträflich oder gleich unschuldig:
So verflochten ist ihr Herz.

In Luzern sind die runden Hüte über 18 Zoll im Durchschnitt als landesverderblicher Luxus verboten worden!

Im Philosophieren gibts nichts zum Vorstellen. Hier und da ein Bild. An das halten sich die Menschen. Tabula rasa von Aristoteles zufälligerweise, zur Notdurft gebraucht.
Soviel weiß jeder vom Aristoteles. Es drückt von seinem Begriff der Seele nicht das Wesentliche aus.

Ludens Geschichte des Hugo Grotius, 231: Man verbreitete damals das Gerücht, der König (Gustaf Adolf nach der Schlacht bei Lützen) lebe noch; er habe seinen Tod aus guten Gründen ausgesprengt. Diese homines acuti, sagt Grotius, nos velut crassos, qui mortuum mortuum credimus, irrident. Hoc est Germaniae acumen.
Ebenso wenn der Philosoph einen Staat oder dgl. beurteilt, daß er tot sei, so heißt es,
er lebt ja noch, Reichstag usw. Hoc est Germaniae acumen!

Die Gottheit wird im Kunstwerk, im schlechten wie im vorzüglichen, angebetet.
Die Schauer der Gottheit, die Vernichtung des Einzelnen, durchdringen die Versammlung.
Aber bald atmet sie auf, blickt um sich in lebendige Wesen, wacht zum Gefühl des Lebens auf.
Sie erkennen sich als Leben, tönen sich es einander zu, ergreifen die Hände, fühlen sich und gehen in Bewegung, Tanz über.
Das Jauchzen muß zur Harmonie, zur Mannigfaltigkeit der Bilder und Gedanken sich verwandeln. Das Maß durch den Takt wird zur Zurückhaltung des Subjektiven, des Willkürlichen.
Die Individuen werden zu Gliedern der objektiven Einheit. Sie schlägt, wie Kybele, die große Mutter der Götter, selbst die Pauken, sonst wirkt sie in stiller unbewußter Kraft.
So genießt sich die Gottheit ihrer selbst, und der Mensch hat sich mit ihr identifiziert. Übersprungen ist dieser Genuß im Essen der Gottheit, aber es drückt tief den unendlichen Schmerz, das völlige Zerbrechen des Innersten aus. Gott opfert sich auf, gibt sich zur Vernichtung hin. Gott selbst ist tot; die höchste Verzweiflung der völligen Gottverlassenheit.

Die Freude am Johannisfeuer brauchte nur organisiert zu werden. Auf allen Bergen werden eine Menge Feuer angesteckt. Es ist die Freude am ersten Feuer, und was ist die Freude an einem solchen lebendigen Element anderes als etwas Religiöses?
Denn es ist die Freude an ihm selbst als einem Element.
Diese Freude muß sich selbst ehren, sich mit Bewußtsein ordnen,
sich gesetzlich machen. Diese Freude braucht nur als Ernst genommen zu werden, so ist sie ein Gottesdienst. Aber sie wird nicht so genommen.
Der Mensch, in der Religion des Schmerzes, verachtet seine Freude,
verwirft das Bewußtsein von ihr.
- Anders bei den Griechen, die selbst das Essen zu einem Gottesdienst machten, d. h. mit Bewußtsein und Willen genossen.
Bei uns ist die Langeweile zu Hause. Eine Gesellschaft schämt sich des Essens.
Es gibt keine ernsthafteren Menschen als die Griechen und keine fröhlicheren.

Sonst hat die niedrige Volksklasse einzelne Familienglieder ausgestoßen als den Sündenbock,
auf denen die Last der Entbehrung, der Büßung und der Entfremdung seiner selbst bis zur Verrücktheit liegt, es selbst aber ging frei aus und erkaufte sich die Versöhnung durch diese Opfer. Jetzt aber hat es die Buße selbst auf sich genommen.

Lieber sich zehn Millionen mit Gewalt nehmen, sich ins Gesicht spucken, sich mit Füßen treten, sich prügeln lassen, als eine Million freiwillig geben, freiwillig sich einer Wunde aussetzen, indem man Wunden austeilt: das ist der Sinn der deutschen Nation.
Mit dem zehnten Teil des Aufwandes von Geld und Naturalien, mit dem tausendsten Teil der Leiden, mit Ersparung des Gebirgs von Schande, die die Deutschen der vergangene Krieg gekostet hat, konnten sie durch 9/10 des Verlorenen 999/1000 der Leiden abwenden und statt der Schande Ehre erwerben.
Aber die Deutschen wollen die Satisfaktion haben, neutral zu bleiben, d. h. von beiden Teilen sich ausschinden zu lassen, als einem Teil anhangen.
Sie haben die Befriedigung, doch für sich geblieben zu sein.
Sie sind die Quäkernation von Europa. Nehmen lassen sie sich alles, den Rock, und aus Gutmütigkeit, um kein böses Gesicht zu bekommen, geben sie noch das Wams.
Wenn sie einen Backenstreich von einer Seite, einer der kriegführenden Mächte bekommen,
so setzen sie sich in die Stellung, von der anderen auch bekommen zu müssen.
Wie Tertullian die Christen beschreibt.

Unter dem Wie einer Sache meint man ihre Art. Vier hölzerne Beine, ein Brett darüber,
ist das Wie eines Stuhls, d. h. eben der Stuhl.

Notwendigkeit der Gesetze gegen den Wucher. Weil der Einzelne die Gelegenheiten und die Individuen nicht kennt, bei denen Geld zu haben ist, erscheint dies seltener, als es ist.
Der Staat hingegen soll diese Kenntnis der Seltenheit oder Menge des Geldes kennen. Seine Taxe der Zinsen suppliert die Folge, aus welcher jene Verlegenheit entspringen würde, die Meinung größerer Seltenheit und dadurch Entstehung höherer Zinsen. Ferner, wie auf die Kornpreise jedes Gerücht von Krieg und Frieden, Hagelwetter usf. Einfluß hat, so würde beim Gelde dasselbe Schwanken eintreten. Diese Unbeständigkeit ist es, die den Preis erhöht, denn die Hoffnung, höher oder wenigstens nicht niedriger zu verkaufen, ist stärker als die Furcht des Gegenteils, und jene bewirkt stärker das Zurückhalten als diese das Losschlagen. Daher Taxen auf Brot, Fleisch usw. notwendig.

Κουϱιδddίη αaa̓λοχος - daß diese Frau nicht durch öftere Wochenbetten erschöpft würde - Sklavinnen. - Die Ungleichheit überhaupt der Dauer der Begierde und das Vermögen des Mannes gegen die Reize, Fruchtbarkeit und Gesundheit der Frau ist bei der Heiligkeit der Ehe unter den Europäern ein Mißverhältnis, das immer einen stummen Kampf, innerlichen Zwist und das Übel der Ausschweifung unter einem Volk erhält.

Es ist kein Land wie Deutschland, wo jeder Einfall sogleich zu etwas Allgemeinem gemacht,
zum Götzen des Tages ausgebildet und die Aufstellung desselben zur Scharlatanerie
getrieben wird, so daß er auch ebenso schnell vergessen wird und die Frucht verlorengeht,
die er tragen würde, wenn er in seine Grenze eingeschränkt worden wäre.
Dadurch würde er in seinem Maße erkannt und soviel geschätzt und gebraucht, als ihm gehört,
da er auf die andere Weise mit seiner ungebührlichen Aufblähung zugleich ganz zusammenschrumpft und, wie gesagt, vergessen wird.

Die Süddeutschen haben ehrlicherweise nachgedruckt.
Die Norddeutschen schreiben sich aus und wiederholen dasselbe; Kompendien,
ein Kapitel früher oder später; sogar elegante Zeitungen.

Ich erinnere mich sehr gut, wie lange ich in den Wissenschaften mich herumtrieb,
ehrlicherweise meinend, was davon offenkundig,
sei noch nicht alles. Aus den Redensarten, die Sache zu führen,
schloß ich, das Wesen stecke noch im Hintergrunde und alle wüßten bei weitem mehr,
als sie gesagt, nämlich den Geist und die Gründe,
so etwas zu avancieren. Nachdem ich lange vergebens gesucht,
wo dies zu finden wäre, wovon immer gesprochen oder getan wurde, als sei es das allgemein Bekannte und das Treiben des Gewöhnlichen also das Rechte, und dessen Rechtfertigung nicht finden konnte,
fand ich, daß in der Tat nicht mehr daran sei, als ich wohl begriff,
und darüber nur noch dieses, der Ton der Zuversicht, die Willkür und die Vermessenheit.

 

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